Immer die selben Lieder

„Und immer wieder, sind es dieselben Lieder, die sich anfühlen, als würde die Zeit still stehn“, singt meine Lieblingsband „Die Toten Hosen“. Auch wenn sie wohl nicht an Kirchen und Kirchenmusik gedacht hat, spricht mir die Band aus der Seele.

Immer wenn ich eine Kirche betrete, vor allem, wenn ich MEINE Kirche betrete, fühlt es sich an, als wäre die Zeit stehen geblieben. Da ist der Altar – so wie ihn die Menschen schon Jahrhunderte vor mir gesehen haben. Da ist die alte Dame in der ersten Reihe links, dort, wo sie schon als kleines Mädchen gesessen hat.


Und wenn die Orgel ertönt und die Gemeinde die alten liturgischen Gesänge anstimmt, die mir seit Kindheitstagen vertraut sind, verliert der Alltag für einen Augenblick an Relevanz. Dann sehe ich vor meinem inneren Auge wieder meine Großmutter, wie sie inbrünstig „Allein Gott in der Höh sei Ehr...“ singt und mir ein Himbeerzuckerl zusteckt. Dann stimme ich selbst ganz automatisch in jene Lieder ein, deren Texte sich mir lange nicht erschlossen haben und mir trotzdem vertraut geworden sind. Und wenn ich mit vielen anderen gemeinsam das „Vater unser...“ bete und dazu die Glocken läuten, fühle ich mich in einer Gemeinschaft geborgen, die mir Halt und Heimat bietet. Dann tauche ich in eine Geschichte ein, die älter und größer ist, als ich.


Als Pfarrerin weiß ich natürlich, dass kirchliche Liturgien für Außenstehende schwer zugänglich sind. Zu kompliziert, zu schwer zu fassen. Und so überlegen wir immer wieder, ob man all das nicht leichter machen kann? Und dann denke ich: nein!

Gemeinsame Lieder und Rituale sind identitäts- und gemeinschaftsstiftend. Selbst wenn man die Inhalte nicht immer sofort versteht. Der Fußball macht‘s vor! Kaum jemand weiß vermutlich, warum es die Rapid-Viertelstunde gibt. Und trotzdem stehen alle Grün-Weißen eine viertel Stunde vor Spielschluss geschlossen auf und klatschen. Weil es schön ist, weil es Gemeinschaft schafft!

Schön sind die meisten kirchliche Rituale auch. Und sie sind es wert, sich auf sie einzulassen und sie zu ergründen. Weil sie der Seele guttun.

Und es tut ihr auch gut zu wissen, dass es Orte gibt, an denen manche Dinge bleiben. Auch wenn sich sonst alles ändert.